Ob Sie nun rechts, links, mitte; national oder international; oder auch nur eigenwillig stehen: so können Sie sich mit der "Fuzzy Democracy" wieder für Politik und Wahlen begeistern, engagieren und partizipieren.

Ausstieg aus der Bevormundung

"Fuzzy Democracy" ist für jeden, der differenziert wählen gehen möchte und sich nicht zwingen lassen will, schon in der Wahlzelle einen argen Kompromiss zu schließen. Anstelle der derzeitigen Speisekarte, wo man bei jedem Gericht ungeachtet des Verzehrzwangs am liebsten die Hälfte weglassen will, – bei dem man womöglich einen Teil für reinstes Gift hält, – sucht man den Koch aus, der die persönliche Idealmahlzeit zubereitet hat, und auch wenn er am anderen Landesende lebt, denn Wahlkreise gibt es nicht mehr. Bei der "Fuzzy Democracy" sucht man so lange man will, das heißt, bis man denjenigen gefunden hat, mit dem man ausreichend zufrieden ist. Vielleicht – wenn man traditionell gesinnt ist – sucht man zuerst doch im eigenen Stadtviertel oder Landeskreis, wo man die Kandidaten eher über Ecken kennt; oder im Berufsumfeld oder bei anderen Organisationen. Es geht jeweils letztlich um persönliches Vertrauen. So kompliziert ist es sonst nicht: man ist aber nicht mehr bei der Wahl auf die Vorgaben von Parteien und ihren dunklen Apparaten angewiesen.

Wenn es soweit ist, geht man an den Wahltagen zur elektronischen Wahlmaschine am Ort, über deren Tauglichkeit von jeder Seite eifrig gewacht wird, und tippt den Namen des Ausgesuchten ein.

Wenn dieser zu wenige Stimme bekommt, so kann er sein Stimmenkontingent einem anderen Kandidaten seines Vertrauens übertragen. Hat er mehr als die erforderliche Zahl an Stimmen erhalten, so kann er die Überschussstimmen ebenfalls weiter verteilen. Somit geht keine Stimme verloren. Das ist die echte repräsentative Demokratie. Die Demokratie ist somit kein Sportsereignis.

Ausstieg aus den Parteien

"Fuzzy Democracy" ist für jeden, sogar für ehemalige Parteifunktionäre: Wenn Sie sich zur Wahl stellen wollen, holen Sie sich einige hundert Mitzeichner und zahlen Sie eine kleine Kaution – ungefähr wie jetzt. Um gewählt zu werden, müssen Sie eine bestimmte Anzahl an Wählerstimmen erreichen, z.B. 100,000. Verfehlen Sie diese Grenze knapp, so können andere Kandidaten Ihnen Stimmen übertragen – sowohl Kandidaten, die über mehr als 100,000 und somit “Überschußstimmen” besitzen als auch Kandidaten, die wenige Stimmen erhalten haben und somit ausscheiden. Es wird also jede Stimme im Ergebnis mitgezählt. Wahlkreise gibt es nicht mehr — Sie können sich Stimmen aus jedem Landesteil holen. Im vernetzten Internetzeitalter brauchen Sie — brauchen wir – keinen Parteiapparat: Dafür sind Sie auf Menschen angewiesen, die von Ihnen – von Ihren Fähigkeiten und Ihrer Eignung – überzeugt sind und für Sie z.B. über die Sozialmedien oder sonst Werbung machen.

Die Dinge auch sonst nicht vermengen

Den Allzweckmenschen gibt es nicht, und den Allzweckvertreter auch nicht. Derjenige, der über ein solides Verständnis von Finanzen verfügt und dabei auch die Belange der gegenläufigen Auffassungen von Gerechtigkeit im Auge behält, ist bei weitem nicht derjenige, dem man z.B. Grundsatzentscheidungen über Abtreibung, Sterbehilfe oder sogar Kulturförderung anvertrauen soll. Vertreter für diese Bereiche muss man getrennt wählen können, und sie müssen Ihre Mandate entsprechend in getrennten Parlamenten ausüben. Man kann noch immer ein Oberhaus – eine zweite Kammer – als Kontroll- und Koordinationsinstanz vorsehen.

Der einzelne Wähler muss sich – ohne Bevormundung – zu den großen Themen getrennt äußern können. So müssten mehrere getrennt zu wählenden Fachparlamente entstehen, die z.B. die folgenden Bereiche abdecken:

· Steuererhebung; — getrennt davon:

· Finanzplanung (staatliche Ausgabepolitik)

· Transport und Infrastruktur

· Umweltpolitik

· Bildungswesen und Familienpolitik

· Gesundheitswesen

· Verteidigung und Außenpolitik

· Bekämpfung der Kriminalität

· Ethische Weichenstellungen

Es ließe sich im Übrigen auch jetzt schon einen Beginn machen. So könnte der Bundestag (einer BRD, aber eigentlich die Volkvertretung eines jeden EU-Landes oder sonstwo) zumindest ein Forum für ethische Weichenstellungen einrichten, das nach den oben beschriebenen Verfahren gewählt wird.

Da würde man Streitfragen besprechen und zunächst Empfehlungen (später Verfügungen bzw. Gesetze) beschließen können, zum Beispiel zu folgenden schwerwiegenden, strittigen Themen:

· Sterbehilfe * Abtreibung * Toleranz — und die Grenzen der Toleranz (z.B. das Tragen von Schleiern bzw. seit 2020 Masken; die Beschneidung von Kleinkindern)

· Werbung in der Öffentlichkeit und Werbeplakate (z.B. die Sexualisierung der optischen Umgebung) – Stichwort: die geistige Umweltverschmutzung

· Umgang mit Pornographie und Abbildungen der Gewalt

· Die Handhabung der Prostitution

· Rechte auf eine Privatsphäre, und wo diese Rechte aufzuhören haben

· Die Förderung (der Erhalt) von nicht-kommerzieller Kultur (Kulturvielfalt)

· Drogenpolitik (Zigaretten- und Alkoholwerbung; Duldung von Cannabis, usw.)

· Die Reichweite der Rechte von Behinderten

Es würden sich zur Wahl bestimmt charakterlich ganz andere Menschen stellen, als diejenige, die wir gewohnt sind. Es würden sich Leute aus kirchlichen aber auch viele aus humanistischen Kreisen melden. Wir sind nicht alle einer Meinung bei diesen Fragen, und unsere Konflikte sollten offen anerkannt und ausgetragen werden. Eine solche Volksvertretung hätte eine ganz andere Zusammenstellung – und eine weit höhere Legitimation – als jeder von oben her aufgesetzte “Ethikrat”.

Wenn im übrigen einmal ermöglicht wird, getrennte Volksvertretungen (Fachparlamente) zu wählen, so entfällt teilweise der Sinn der Demonstrationspraxis.

Soweit in Kürze dieser Aufruf im Namen der Representativen Demokratie — und gegen deren Feinde, nämlich alle politischen Parteien; und ebenfalls entschieden gegen den einfältigen Populismus der Volksentscheide.

 

www.klasseverantwortung.de/deutsch/parteien.html

-->